Seite 10                              Mit H0-Märklin fing es an                                                       Neu ab 2018:  -

                                          Inhaltsangabe:

           Pos.  1:  Anno 1954, spielen mit Märklin.

           Pos.  2:  Eisenbahnfahren in der Kindheit war prima.

           Pos.  3:  Nachlese zur Schleswiger Kreisbahn von Pos. 2.


    Pos 1: Anno 1954: Spielen mit der                   H0-Märklin-Modelleisenbahn.

Der eine oder andere Leser möge mir verzeihen, wenn ich auf dieser Seite aus meiner Spielzeit mit der Eisenbahn Vergangenes lebendig werden lasse.  Mein jüngerer Bruder und ich wünschten uns eine Güterzuglok und einen Trafo zu je 16,- DM, einen Kreis aus Blechgleisen und eine passende Handweiche für ein Abstellgleis mit Prellbock. Und nur drei Wagen ....mehr brauchen wir nicht.

Ja, damals war's:   Unter  dem Tannenbaum entdeckten wir sie.... 

1958 sah die Spielbahn schon ganz anders aus und lag über meinem Bett auf Platten, abgedeckt mit einer passenden Wolldecke. Eine Bogenlampe, Licht im Bahnhof, mit Isolierband getrennte Stromabschnitte, die über angelötete Drähte zu- und abgeschaltet werden konnten, zwei elektrische Weichen, einige Handweichen und zwei Signale. Kabelstränge  wurden unter der blechernen Gleistrasse verborgen. Zwei Stromkreise, zwei Trafos: außen für die Strecke und innen für den Verschiebedienst. Beide Trafo-Regler mußten gleich gestellt sein, wenn eine Lok von einem Stromkreis in den anderen fahren sollte. Ein Umfahrungsgleis, rechts im Bild 1, gab freie Fahrt für den Streckenlokführer mit unzähligen Halts an Unterwegsbahnhöfen, während er (im Kreisverkehr) von A-Stadt nach B-Stadt eilte. Der Verantwortliche für den inneren Bereich in      B-Stadt stellte inzwischen den Güterzug bereit ...............................................

Bild 1: Die Spielbahn 

..............und ließ den Streckenlokführer beim Zusammenstellen des Güterzuges im inneren Bereich Weichensteller, Rangierer und/oder Rangierlokführer sein. War B-Stadt erreicht (Bahnhof links Mitte im Bild 1) und die Fahrgäste ausgestiegen, drückte die Schnellzuglok den Eilzug auf Gleis 3 (von rechts gesehen im Bild 1) zurück. Die  Rangierlok stand dabei auf einem abschaltbaren Gleis. Die Streckenlok setzte um und fuhr ins Bw. Eine Zigarrenkiste war der Kohlenbansen. Ein Laufgestell aus Streichhölzern seitlich an der Wand trug den Papierkran mit Holzausleger und Greiferschaufel aus Papier. Das Gleis wurde abgeschaltet. Die Rangierlok war wieder Mädchen für alles. Die Rückfahrt für die Streckenlok stand bald wieder an, um den Güterzug von B-Stadt nach A-Stadt zu ziehen.

Bild 1 oben zeigt die Ausfahrt des bereitgestellten Güterzuges, gezogen von der Streckenlok, aus Gleis 2. Die Eilzugwagen stehen auf Gleis 3 und die Rangierlok wartet auf dem abschaltbaren Gleis am Güterschuppen solange, bis die BR 24 mit ihrem Zug den inneren Stromkreis verlassen hat. Der Streckenlokführer wird nun B-Stadt verlassen und seinen Güterzug - fest im Blick und ohne Unfall - nach etlichen Runden nach A-Stadt fahren. Hier werden die Wagen des Güterzuges nach Erteilung der Einfahrt in Gleis 2 von der Rangierlok verschoben, nachdem die Streckenlok vorher ins Bw gefahren war. Anschließend schob die kleine Lok die beiden vierachsigen Personenwagen von Gleis 3 zum Bahnhof, wo diese als beschleunigter Personenzug von A-Stadt nach B-Stadt  bereitgestellt wurden. Nach dem Wasserfassen nimmt die Streckenlok die beiden Vierachser auf den Haken  und macht sich auf die Reise.

Spannend wurde es, wenn den beiden Personenwagen kurzfristig noch ein leerer gedeckter Güterwagen für B-Stadt beigestellt werden musste.... 

 

Ungezählte Stunden haben wir mit dem Wechselspiel von A-Stadt nach B-Stadt und zurück mit der Anlage verbracht, die gerade auch wegen der kleinen Gleiskreise für die unterschiedlichen Armlängen altersgerecht das Spielen / Rangieren erleichterte (mein Bruder ist viereinhalb Jahre jünger als ich).            Das nachfolgende Bild 2 zeigt den Gleisplan mit Märklin-M-Gleisen.

 

Bild 2:  Gleisplan mit Märklin-M-Gleisen. Die Anlage ist mit den Bauten und Fahrzeugen noch heute existent. Erst 2004 habe ich für die Enkelkinder die Schienen- und Weichenlage mit dieser Handskizze festgehalten, um den Auf- und Abbau zu erleichtern. Und heute: Ab- und zuschaltbare Gleisabschnitte, getrennte Stromkreise, die Abstimmung der Trafostellungen beim Überfahren der Trennstellen mit der Lok sind mit der digitalen Technik für eine Anlage in dieser Größe Verganganheit geworden.  

 

      Pos. 2:  Eisenbahnfahren in der                        Kindheit war prima:          

Mit der Elektrischen zum Hauptbahnhof Flensburg. Da war Mutter noch dabei. Mit einem Schild um den Hals ging es dann allein weiter Richtung Kiel bis Süderbrarup. Der Schaffner passte auf, dass ich dort ausstieg und in den Anschlusstriebwagen der Schleswiger Kreisbahn -Normalspur-  in Richtung Kappeln einstieg. Es blieb kaum Zeit zum Gucken. In Süderbrarup kreuzten -wegen der eingleisigen Strecken-  vier Züge: Der große Gegenzug aus Kiel mit einer riesigen Dampflok ( BR 38 ) in Richtung Flensburg ( mein Zug zog eine BR 24, wie ich erst später herausfand). Der große Triebwagen (T4, DWK Typ V) in rot/beige nach Kappeln und sein Gegenzug nach Schleswig mit einer niedlichen Lok(T 3) mit dem Schornstein nach hinten und ohne Kohlenwagen, im Schlepp zwei Personen- und einen Packwagen, standen schon an den Bahnsteigen.

Erst dampften die Großen ab und dann wir. Mein Triebwagen fuhr als letzter, weil wir die Hauptstrecke Richtung Flensburg kreuzen mußten.     

Bild 3:  Ein Foto von 2007 zeigt die unveränderten Hauptgleise in Süderbrarup, Blick Richtung Flensburg vom Bahnhofsgleis 1 mit dem Ausfahrtsignal. Vom Inselbahnsteig zwischen Gleis 1 und 2 steigt man in den Zug in die Gegenrichtung nach Kiel. Es folgt Gleis 3 in Richtung Kappeln mit dem Ausfahrtsignal. Dieses Gleis kreuzt vor dem Stellwerk im Hintergrund das Flensburger Hauptgleis. Links neben dem Stellwerk im Hintergrund stehen Anhänger der Angelner Dampfeisenbahn.  Dann folgt der verkrautete Inselbahnsteig mit dem verdeckten Gleis 4 für die Gegenrichtung nach Schleswig, heute Umsetzgleis für Gleis 3.

.......Nach ca. 3,5 km Fahrt war mein Ziel, Wagersrott erreicht. Hier lebten meine Großeltern mit ihrer Landwirtschaft. Das war für ein Stadtkind schon  ganz schön spannend. Aber.. die Kreisbahn trennte durch ihre tiefer liegende Trasse den Hof und Gemüsegarten von der Viehweide, die in ca 40 m  Entfernung in Richtung Kappeln durch einen Bahnübergang verbunden waren. Hier lag ich auf der Lauer. Oma: "wann kommt der nächste Zug?"  und sie hatte alle im Kopf!

       Das war so um 1945 und viele schöne Kindheitsjahre mehr....     

Ich weiß das ziemlich genau, weil ich mir mit knapp fünf Jahren den Arm brach. Ich entdeckte zwei von Omas braunen Hühnern auf dem Grundstück von Maler Michelsen und wollte diese zu Omas Hof zurückjagen. Ein Torpfosten brachte mich zu Fall und ein Pferdefuhrwerk ins Krankenhaus nach Süderbrarup. Mein Sturz war leider nicht fahrplangerecht und: das waren auch nicht Omas Hühner, die ich da zurücktreiben wollte. Maler Michelsen hatte selber braune Hühner.

1972 habe ich meinen Beobachtungsposten mit dem Diorama -Bild 4- dargestellt. Zum diesseitigen Gatter  (Hofseite) rannte ich, sobald ein Zug kam. Das Gelände in Angeln ist durch die letzte Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren gut bewegt. Nach dem Bahnhof ( rechts in ca. 180 m ) beginnt die Steigung am Hof vorbei in Richtung Kappeln (nach links ) noch ca. 250 m bis zum Scheitelpunkt, wo in einer leichten S-Kurve die Landstraße gekreuzt wird. Bimmeln und Pfeifen ist hier Pflicht. Danach folgt ein leichtes Gefälle bis zum nächsten Ort: Scheggerott.     

   

Bild 4: Diorama von 1972.

Die T 3 hatte manchmal viele gedeckte Güterwagen für die Nestle-Werke in Kappeln am Haken, mußte zuvor aber wegen des mitgeführten Personenwagens am Bahnhof Wagersrott halten. Zwei Heizer stiegen von der Lok. Sie streuten Sand vom Sandbett auf die Schienen und kamen auf mich zu. Nach dem Abfahrtspfiff drückte die Lok den Zug zurück fast bis nach Gangerschild. Auf diesem Streckenstück mit eigenem  Bahndamm gibt es keinen Überweg. Dann nahm die Lok Anlauf. Mit mächtigen Auspuffschlägen donnerte diese schließlich an mir vorbei und wurde immer langsamer. "Ich kann nicht mehr, Ich kann nicht mehr...". Oben am Scheitelpunkt war die Lok sehr  langsam, so daß die beiden Heizer ohne Mühe auf die Lok klettern konnten. Und dann ging es los mit : " Ich habs geschafft, Ich habs geschafft ( auf Plattdeutsch: Ick schiet di wat, ick schiet di wat.)..."  Und dann war Ruhe. 

 

Der wuchtige DWK Triebwagen Typ V mit der Bezeichnung T4 aber war mein Renner. Wenn der kam, ging nichts mehr. Ich mußte zum Gatter. Meine Leidenschaft für Triebwagen war entbrannt. ( Siehe auch Seite 7: die Bildserie mit dem schmalspurigen DWK Typ IVs ).  Die folgenden zwei Fotos zeigen dieses herrliche normalspurige Unikum: 

 

Bild 5:  Der T4 in Kappeln rechts neben dem Triebwagenschuppen. Im                            Hintergrund ist schwach erkennbar der Bahnhof   

 

Bild 6:  T4 in Kappeln am Bahnhof vom Schleiufer aus gesehen. Die rote Lackierung schließt die Türen mit ein und zieht sich an der Stirnseite hoch bis zur Fensterunterkante. Unter dem Dach gibt es keinen roten Streifen. Und nun vergleichen Sie bitte diesen Anstrich mit dem Vorbildanstrich des T 60 der EPG, erstes Bild auf Seite 07.


Anmerkung zu den beiden o. a. Bildern:

Zeitgleich bat ich schriftlich im Okt. 1986 Krupp MaK Kiel als Nachfolgerin von Deutsche Werke Kiel DWK und die Verkehrsbetriebe des Kreises Schleswig um Bilder und Fotos vom T4.  

Von Kiel kam ein Original der "Deutsche Straßen- und Kleinbahn-Zeitung Nr. 15 , Berlin, 9. April 1921.  

Von Schleswig folgten als Kopie Zeichnungen eines Tws, eine Fotokopie "technische Beschreibung des Wagens Nr. 107", sowie drei kopierte Bilder . Zwei zeigen den T4, wie oben gezeigt.

Zum Ursprung der beiden Fotos gab es keinen Hinweis. Berechtigte Urheberrechte werden nicht bestritten. Bitte melden, wenn es Einwände gibt.         

Im Frühjahr 2007 entstanden die fünf nachfolgenden Fotos. Die Landstraße ist der beschriebene Scheitelpunkt, der vom Bahnhof Wagersrott in Richtung Kappeln zu erklimmen war und wo die beiden Heizer auf die keuchende Lok stiegen. Deutlich ist im Bild 7 die Steigung vom Bahnhof Wagersrott nach hier oben zu erkennen.     

Bild 7: Steigung von Wagersrott kommend.

 

In der anderen Richtung ( Bild 8 ) schauen wir vom gleichen Standpunkt aus in die langgestreckte Niederung, in der der nächste Bahnhof in Richtung Kappeln liegt: Scheggerott. Klar, dass die Lok hier wieder schneller wurde.        

Bild 8: Gegenrichtung nach Scheggerott. Im Vordergrund Straße und Radweg.  

 

Ein Bild habe ich noch von Gangerschild, einem Nachbarort von Wagersrott. Er wird von der Bahn vor Wagersrott tangiert, hat aber keinen Haltepunkt gehabt.  Der Blick nach rechts geht in Richtung Süderbrarup. Siehe Bild 9.

 

Bild 9: Überweg bei Gangerschild.

 

Noch heute kann diese schöne Strecke erfahren werden dank des Vereins der Angelner Dampfeisenbahn. Das folgende Bild 10 zeigt die Endstation Kappeln. Rechts das in einer Steigung liegende Ausfahrtsgleis Richtung Süderbrarup. Im Hintergrund die früheren Nestlewerke. Links abgestellte Wagen der Dampfeisenbahn Süderbrarup - Kappeln.


Bild 10: Endstation Kappeln an der Schlei.


Auch ein schwerer 4-achsiger dänischer Schnelltriebwagen gehört zum Bestand.  

Bild 11:  dänischer Schnelltriebwagen.  

 

Vielleicht lohnt ein Besuch bei Herrn Reinhard Todt? Er wohnt in Hannover, nicht weit von Wassel entfernt. Am 17. April 2013 trafen wir uns. Seine Schwarz-Weißfotos sind in vielen Fachbüchern vertreten.

Vom alten T4 aber hatte er nur ganz wenige Aufnahmen, weit mehr aber vom in den 60er Jahren modernisierten Triebwagen. Mit den mir überlassenen Fotos kann ich aber mein Eisenbahnparadies aus der Kindheit bildhaft machen. Mit Pos. 3 geht es weiter. 

 

      Pos. 3:  Nachlese zur Schleswiger                        Kreisbahn 

                                      

                                         Fortsetzung folgt.   

        Ende.        Hier geht es zurück.            Danke. 

 

                                              Archiv:

Neu ab 2016:  (ist fett gedruckt).

                                          Inhaltsangabe:

           Pos.  0:, aktuell:

           Pos.  1:  Anno 1954, spielen mit Märklin.

           Pos.  2:  Eisenbahnfahren in der Kindheit war prima.

           Pos.  3:  Nachlese zur Schleswiger Kreisbahn von Pos. 2.

Neu ab 2015:           Gliederung in folgenden Positionen.                                                         Pos.  0:  aktuell.                                                                                             Pos.  1: Anno 1954, spielen mit Märklin.                                                        Pos.  2: Eisenbahnfahren in der Kindheit war prima.                                  Pos.  3: Nachlese zur Schleswiger Kreisbahn von Pos. 2

neu ab 2014: Bildnummern

neu ab 24. 04. 2012: fünf Fotos                                       

 

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