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              Flensburgs Straßenbahn

                            Neu ab 2018 auf Seite 12: Inhaltsangabe

                                         Inhaltsangabe:

            Pos.  1:  Flensburger Triebwagen Nr. 33, 36 und 40.

            Pos.  2:  Halt in Flensburg

            Pos.  3:  Blick in eine Wagenhalle

            Pos.  4:  Die Überlandstraßenbahn Linie 4 Flensburg- Glücksburg

            Pos.  5:  Kappeln

            Pos.  6:  150 Jahre Straßenbahn in Deutschland
               


Der Wunsch war groß, der Straßenbahn meiner Heimatstadt eine eigene Seite zu geben. Die Voraussetzungen sind nun da, es umzusetzen. Auslöser war das erste folgende Bild vom Tw 36. Herr Stuth aus Hamburg gab es frei für meine Homepage. Einen noch größeren Ansporn gab Herr Karl Wilhelm Lönnecker aus Flensburg, der mir nach der ersten Veröffentlichung auf Seite 06 weitere Unterlagen aus seiner Sammlung zur Verwendung gab. Es folgt der schon bekannte Text mit stetigen Ergänzungen. Eine Gliederung und neue Abschnitte folgen später.

                                        Pos.  1

   Flensburger Triebwagen Nr 33, 36 u. 40


Straßenbahnen sind sehr direkt mit dem Leben der Menschen verbunden. Geboren und aufgewachsen in Flensburg unweit des Straßenbahndepots lernte man als Schüler den Wert der Straßenbahnfahrer und der Schaffner einzuschätzen. Es wurde gegrüßt und geplaudert, gefahrvoll war es auch und dienstlich, wenn der Schaffner vor dem Ende seiner Schicht den Fahrkarten- und Wechselgeldbestand notierte. 

Probleme im Winter mit vereister Oberleitung und zugefrorenen Rillenschienen in Verbindung mit der Rumpelei, wenn die Spurkränze das Eis zertrümmerten, sind mir noch in bester Erinnerung.  

Spannend war die Einführung der neuen Verbandstyp-Triebwagen ab 24. Sept. 1951 mit den vielen Fahr- und Bremsproben. Zwei-Anhänger-Betrieb mit je einem Schaffner standen mit den "Neuen" zur Probe an. Bei max. 40 kmh zog ein Schaffner an seiner Wagenglocke 2 mal kurz und vorne flogen die Hände des Fahrers: Sanden, Schienenbremse, Fahrschalter auf Anschlag Bremsen und Läuten und unter den Wagen staubte es gewaltig. Das war aufregender als die Silvester-Knallerei. Und später kam "Kalle" und kratzte per Hand und Eimer die Rillenschienen frei. Eine Warnweste trug er nicht, nur einen Blaumann, so wie ich es damals mit ca. 11 Jahren erinnere. 

Ja, und irgendwann geht die Zeit darüber hinweg. Anderes weckt das Interesse und lässt die Erinnerungen an frühheimatliches Erwachen im sanften Schlummer ruhen.

Den Straßenbahnbetrieb in Flensburg gibt es nun schon lange nicht mehr.

An mir ist die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen, wohl aber am Tw 36.

Am 14. 07. 2015 präsentiert sich der Oldtimer im besten Gewand auf dem Betriebshof des dänischen Tram-Museums Skoldenaesholm. Siehe Bild 01.

Wie das so kam, ist vergleichbare Historie mit vielen ähnlichen Betrieben. Vergangenheit und Gegenwart führen bei Einstellung und Wiederbelebung die Regie. Diese wird getragen von einem starken Fundament mit Namen Begeisterung und die haben nur wir Lebenden.


 Bild 1:  Foto Ingo Stuth vom 14. 07. 2015. Die sprichwörtlich konservierte Zeit in diesem Oldtimer schaut uns an. Mich besonders, stand ich doch schon als kleiner Junge und Schüler auf der Plattform.

 

Bild 2:  Und hier 1987, auf dem Gelände des HSM (siehe Seite 06), finde ich die Flensburger Schwester-Tram Nr. 33 wieder. Bis zur EInstellung des Betriebes am 3. Juni 1973 noch betriebsfähig, erträgt diese seit der Überführung per Bahn am 28. März 1974 geduldig ihr Schicksal. Tw 40 und Beiwagen Bw 103 reisten gleich mit. Tw 40 ist einer dieser neuen ab 1951 mit der Schienenbremse! Siehe Bild 3. Hinter Nr. 33 sehen wir einen hellblauen Heidelberger. Auch Meterspur, für die das HSM mangels Geld einfach kein Betriebsgleis bauen kann. Alle Gleise auf dem Gelände sind normalspurig angelegt mit 1435 mm Spurweite. Die Umrüstung dieser Bundesbahngleise und -weichen auf Straßenbahnräder war alleine schon eine große Herausforderung und zog sich über Jahre hin.

                     Alle Bilder von 2 bis 12 sind vom Mai 2008.


 Bild 3:  Flensburgs Meterspur Tw 40. Als jüngerer Weggefährte von Tw 33 wartet er ebenfalls auf bessere Tage.  Der Beiwagen Bw 103 erlebte eine Rückführung nach Flensburg am 04. 07. 1990 direkt in die Gaststätte "Hansen's Brauerei". Dort würdigte man ihn täglich in der Gaststube bis zum Umzug 1998, der dann leider zu seiner  Verschrottung führte.

 

Bild 4:  Die Lampe von Tram Nummer 40 fand schon Verwendung.


Bild 5:   Abdeckplanen waren gut gemeint. Ein wohl einmaliges Bild von 2008.

 

Bild 6:  Zur Entlastung des Wagenkastens wurde z. B. der Stromabnehmer        abmontiert, um vorrangig den Druck auf die Seitenwände zu reduzieren.


Bild 7:   Und dann kamen Nr. 33 und Nr. 40 in Bewegung. Von Nr. 33 habe ich Fotos machen können, reisefertig und von den HSM-Experten als sturmfest auch für 80 Sachen auf der Autobahn nach Dänemark eingestuft. Die Tram erreichte heil ihr Ziel, wie auch ein paar Tage später Tram Nr. 40. Es sind schon tolle Kerle, die HSMer. Auch die Transportbewegungen haben sie fest im Griff.

 

Bild 8:  Triebwagen Nr. 33 macht sogar in Verpackungskunst noch eine                          interessante Figur.

Bild 9:  Fesselung für einen guten Zweck. Unter der großen Stirnlampe sind platziert das Schlusslicht rechts und die Bremslampe links mit rot bzws. gelb.

Bild 10:  Das Foto ist interpretationsfähig. 

Bild 11:  Die Glocke und der Klöppel. Habe ich noch nie so gesehen.

 

Bild 12:   Der Fahrer dieser Fuhre ruhte noch. Er wollte erst spät abends starten. Das Ziel war das dänische Tram-Museum in Skoldenaesholm. Hier leistet der Flensburger-Straßenbahn-Oldtimer Nr. 36 seit 1974 Zubringerdienste und zeigt inzwischen Ermüdungserscheinungen. Flensburg gehörte über 400 Jahre zur dänischen Krone, so dass es nicht verwundert, wenn die Freunde des dänischen Museums bei Roskilde "Sporvejshistorisk Selskab" wenigstens diese eine Flensburger Tram nach der Stilllegung erwarben.

Und nun das!  Die dänischen Straßenbahnliebhaber entschieden noch einmal zu Gunsten der Flensburger Tramhistorie: Nr. 33 als willkommener Ersatzteilspender und Nr. 40 als attraktives Vorhalteobjekt für kommende Tage. Der Flensburger Verbandstyp bot allgemein mit seinen umfassenden Stossfängern eine wohl proportionierte Erscheinung im Stadtbild. 

Nr. 36 und Nr. 33 (beide gleichen Typs mit den verlängerten Plattformen 1926 von HAWA/Siemens erbaut) gingen nach Gera. Das Ergebnis lief in Gera zur Probe: Zwei Videos von Seite 15. Link bitte anklicken. 

https://www.youtube.com/watch?v=IU-NEM8zJ-U   "Flensburger Strassenbahnwagen 36 in Gera im April 2012"  

Und der zweite Film bei der Ankunft in Skoldenaesholm:

https://www.youtube.com/watch?v=HTEogZ9r_KU   "Sporvejsmuseet Stadtwerke Flensburg 36 kommer retur til museet"

Aus diesem Video ist das Bild 14 am 7. 06. 2015 von mir aufgenommen               worden.

Auf dem Neubau-Oldtimer steht neben der Nr. 36 für uns, die wir es jetzt wissen, auch die Nr. 33....Doch halt.....Die Nr. 33 blieb ungeschoren und steht auf Anfrage (telefonisch am 10. Juli 2015) in Gera unangetastet bei den Geraer Verkehrsbetrieben. Sie diente, da ja baugleich mit Nr 36, als Maßgeber beim Restaurieren der Schwestertram und half so, die Kosten zu senken. Vielleich wird aus der Nr. 33 ja mal ein passender Beiwagen, was aber eigentlich schade wäre. Mir ist ein zweiter Oldtimer-Motorwagen lieber. Ein passender                Verbandstyp-Anhänger aus dem Bestand des HSM wäre zu überlegen. Irgendwann mache ich meine eigenen Fotos in Dänemark auf Seeland bei Roskilde von meinen Schülertrams. Es wäre ja ein Fest, wenn dann auch noch die restaurierte Nr. 40 das Trio vervollständigen würde.

Bitte melden,  wenn  ich das Foto so nicht zeigen darf. Und senden Sie mir dann bitte ein schöneres Foto zu, das ich auf meiner Homepage abbilden darf. Vielen Dank. Der Link zum dänischen Straßenbahn Museum Skoldenaesholm: www.sporvejsmuseet.dk/tysk/


Bild 13.  Das Ziel Skoldesnaesholm in Dänemark ist erreicht. Das Datum auf dem Foto hat nichts mit der Ankunftszeit zu tun, wie weiter oben beschrieben.


                                          Pos.  2 

               Halt in Flensburg 


Auf dem Weg nach Dänemark im April 2012 gab es einen Halt in Flensburg. Im ehemaligen Straßenbahn-Depot an der Apenrader Straße präsentierte sich der frisch restaurierte Oldtimer Tw 36 bei schönstem Wetter seinen früheren Fahrgästen und weckte Wehmütigkeit auch bei manch jüngeren Flensburger Besuchern, die sich so gar nicht vorstellen konnten, dass solche schöne Tram vom Ostseebad bis zum Hauptbahnhof durch die Große Straße, den Holm und ums Nordertor fuhr.

Das Wissen um den Fotostopp in Flensburg verdanke ich Herrn Dieter Nickel aus Flensburg, von dem ich zuvor seinen 28 minütigen Film auf DVD erwarb mit dem Titel "Auf Schienen durch Flensburg". Gefilmt, bearbeitet und Vertrieb direkt von Hern Nickel, jetzt in Flensburg, westliche Höhe ansässig. Ein sehr schönes Film-Dokument nicht nur für den Liebhaber Flensburgs und seiner Tram. Aus seiner Sammlung erhielt ich für diese Seite die folgenden vier Fotos von Herrn Wofgang Vetter aus Harrislee, die hier gezeigt werden dürfen.

 

Bild 14:  Foto Herr Wolfgang Vetter, Harrislee. Kein Vergleich zum Bild 13.

Bild 15:  Foto Herr Wolfgang Vetter, Harrislee. Das Stadtwappen von Flensburg.

 

Bild 16:  Foto Herr Wolfgang Vetter, Harrilee. Ein bequemer Aufstieg erleichterte               den Zugang zum Oldtimer vorbildlich. 

Bild 17:  Foto Herr Wolfgang Vetter, Harrislee. Endlich ein Foto vom Fahrpult. Wie oft habe ich als Schüler links neben dem Fahrer gestanden und mich ganz klein gemacht, damit er mich ja nicht wegschickte. Danke an die beiden Herren für diesen Zugewinn.


                                          Pos.  3

              Blick in eine Wagenhalle

Wer sucht, der findet. Herr Kurt Rasmussen hat das folgende Foto von einem Teil des Flensburger-Straßenbahn-Depots unter Wikipedia eingestellt und die Verwendung freigestellt unter Nennung seines Namens. Das Bild ist gekennzeichnet mit "1024px-Flensburg-staedtische-strassenbahn-die-triebwagen-725326.jpg" und ist datiert auf den 8. Okt. 1972. Ich freue mich, es hier zeigen zu können. 

Bild 18.  Welch ein Glücksfall. Links Alt-Tw Nr. 33 und die neuen Trams Nr. 39 und 40 mit je einem neuen Anhänger. Es stimmt: die Flensburger Verbandstypen hatten ein schönes "Gesicht". Am 3. Juni 1973 war, wie unter Bild 2 geschrieben, Schluss.


Das Buch zur Flensburger Straßenbahn trägt den Titel "Bewegte Jahre. Die Flensburger Straßenbahnen 1855-1973". Autoren Dr. Broder Schwensen und Karl Wilhelm Lönneker. ISBN 392605556-1. Das Buch ist leider vergriffen, aber ich möchte es noch nicht schließen wegen der Linie 4. Dazu lesen Sie bitte die nachstehende Fortsetzung Pos. 4.


                                         Pos.  4

            Die Überlandstraßenbahn Linie 4                  Flensburg- Glücksburg   


Die Linie 4 Flensburg - Glücksburg nutzte die Trasse der Flensburger Kreisbahn vom 21. Sept. 1925 bis 28. Februar 1934. Die mit zwei zweiachsigen Drehgestellen versehenen Trieb- und Beiwagen erreichten als Dreiwagenzug eine Länge von ca. 40,5 m, abgelichtet in dem o. a. Buch auf Seite  59 in der Angelburger Straße. Schon als Kind beeindruckte mich ein sonores Bullern, das stets beim Stillstand  an der Haltestelle unter dem langen Triebwagen hervorkam. Klar, es war der langsam laufende Kompressor für die Kunze-Knorr-Bremse.

Als Mitglied der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte habe ich Kontakt und Nähe zu meiner Geburtsstadt. Goldene Konfirmation. Dreimal wurde dieser Termin von der St.-Petri-Gemeinde wegen zu geringer Teilnahme verschoben. Damals 1954/55 waren wir aufgeteilt auf drei Pastoren jährlich ca 220 Konfirmanden und über den dreimal verschobenen Jubiläumstermin hätten sich ca. 650 "goldene" Konfirmanden einfinden können! Dann 45. und 50. Jahres-Treffen ehemaliger Lehrlinge der Flensburger Schiffbaugesellschaft und Treffen mit Straßenbahnbegeisterten. All das erst nach dem Eintritt ins Rentenalter.

Das Bild aus dem Flensburger Straßenbahnbuch auf Seite 59 ließ mich im August 2015 zum Telefon greifen. Sie ahnen es schon, die 40,5 m Trambahnlänge...

Herr Dr. Broder Schwensen, Leiter des Stadtarchivs Flensburg und einer der beiden Buchautoren, zeigte mir den Weg. Ich erwarb die Rechte zur Veröffentlichung des Bildes für meine Homepage. Herr Karl Wilhelm Lönneker (sein jüngerer Bruder Heinrich war mein Klassenkamerad) gab mein zweites Wunschbild aus seiner Sammlung für diese Homepage frei. Herr Gerhard Nowc vom Flensburger Tageblatt sandte aus seiner Sammlung 7 Fotos, die ich auf meiner Homepage zeigen darf und zum Abschluss folgt ein Postkartenmotiv mit einem "Vierer-Zug" der Linie 4 auf der Strecke vom Fotostudio Gerd Remmer, Flensburg, das mir Herr Remmer nach einem Telefonat am 14. 08. 2015 für meine Homepage frei gab. Eine unerwartet große Resonanz. Danke an die Herren für ihre Unterstützung. Es folgt nun das Bild. Wer hat in Flensburg derart viel (Überland-) Straßenbahn erwartet?


Bild 01:  Foto: Stadtarchiv Flensburg. Tw 24 in der Angelburger Straße. Eine Aufnahme vor der Stillegung der Linie 4, die erst am 28. Febr. 1934 erfolgte. Der Tw 24 (von Glücksburg kommend) wird gleich nach einer 90° Rechtskurve den Südermarkt erreichen. Die Angelburger Straße zeigt hier ihre interessante Lage. In der Talsole unterquert sie die Brücke (verdeckt) der Hafenbahn , um danach in einer beachtlichen Steigung (im Hintergrund gut erkennbar) die Höhe Jürgensby zu erklimmen. Die Anzeige Nr 4 und Apenrader Str. (Depot) am Tw zeigen an, dass dieser Zug nicht die Kehrschleife nutzen wird, die sich gleich nach dem Südermarkt über den Holm mit der Einfahrt nach rechts in die Nicolaistraße anschloss. Am Ende dieser Straße ging es 90° nach links in den Süderhofenden in Richtung Staatsbahnhof. Siehe Bild 02. Danach gleich links in die Rathausstraße und nochmal 90° nach links in den Holm zurück zum Südermarkt. Diese Kehre war von Anfang an geplant, wie dem Buch zu entnehmen ist. In Bild 01 oben links neben dem Tw ist stark verwackelt ein Pferd erkennbar.


Bild 02:  Foto aus der Sammlung von Herrn Gerhard Nowc, Flensburg. Ein Zug der Linie 4 befährt die Kehre wie beschrieben und erreicht gleich den ehemaligen Staatsbahnhof Flensburg, um dann nach links vor dem im Hintergrund parkenden Bus in die Rathausstraße einzufahren.

 

Bild 03:  Foto aus der Sammlung von Herrn Gerhard Nowc, Flensburg.

Keine große Last für den Triebwagen Nr. 24 ist der zweiachsige Beiwagen mit offenen Plattformen aus der Wagenserie von 1907. Der Tw wird gleich die Haltestelle Südermarkt verlassen und 90° nach links in die Angelburger Straße einfahren. Siehe Bild 01. Glücksburg ist das Ziel.


Bild 04:  Foto aus der Sammlung von Herrn Gerhard Nowc, Flensburg. 

Solo Tw 24 am Bahnhof Glücksburg, unweit vom Wasserschloss Glücksburg gelegen. Nach ca. 10 km war die Fahrt mit der Straßenbahn hier zu Ende. Nach dem Umsteigen in die lokbespannten Kreisbahnwagen ging es dann weiter bis nach Kappeln ( siehe Pos. 5). Ab 1931 endete das lästige Umsteigen und die Züge der Kreisbahn fuhren wieder bis Flensburg durch. Zugkreuzungen auf der eingleisigen Strecke zwischen Straßenbahn, Benzoltriebwagen oder Dampfzügen waren möglich. Eine herrliche Betriebssituation für Modelleisenbahner:


 Bild 05:  Foto aus der Sammlung von Herrn Gerhard Nowc, Flensburg.

Haltestelle Weeser Berg, ca. 54 m über NN. Da die vier bestellten Anhänger mit der Aufnahme des Betriebes ab 21. Sept. 1925 noch nicht verfügbar waren, diente vorerst einer der drei beschafften Triebwagen als Beiwagen.

 

Bild 06:  Foto aus der Sammlung von Herrn Karl Wilhelm Lönneker, Flensburg.

Ein Streckenbild wie für den Modellbau gemacht. Es wurde immer mit beiden Stromabnehmern gefahren. Auf diesem Bild führt der Tw Nr. 26, beschafft -wie alle Vierachser- 1925 von Fa. Hawa/SSW.  

 Bild 07:  Foto von Fotostudio Remmer, Flensburg. Postkarte. 

Ein Foto für Modelleisenbahner !! Die Schlussscheibe am Tw 30 zeigt den Eisenbahn-Status. Die Sandbettung der Gleise, der tiefe  Bahneinschnitt ins Gelände und der gemischte Zug selbst sind einmalig. Es führt ein Vierachser-Tw (Nr. 24, 25 oder 26) gefolgt von einem zweiachigen Beiwagen aus der Serie Hawa 1926 (Nr. 48 oder 49) und dann einem vierachsigen Beiwagen Hawa 1925 ( Nr. 44 bis 47). Den Schluss macht der 2-Achser TW 30 (Hawa 1926 mit den Nr. 27 bis 32) mit den verkürzten Plattformen. Alle Fakten und Daten sind bis hier her dem o.a. Buch entnommen.

Der Scherenstromabnehmer ist halb abgebügelt. Die runde rot-weiße Schlussscheibe trug u. a. auch die Müllheim-Badenweiler-Lokalbahn, Seite 04.

Zum Verbleib der Fahrzeuge der Linie 4 gibt das o. a. Buch keine Auskunft. In meinem Fundus habe ich ein Buch von Dr. Norbert Enenkel "Die vergessene Bahn" mit dem Untertitel "Die elektrische Strandbahn Warnemünde - Markgrafenheide 1910-1945", erschienen im Verlag Redieck & Schade, Rostock. ISBN 978-3-934116-93-1. Danach kaufte die Strandbahn 1935 Tw 26 und Bw 47. Ab 1946 gingen beide Wagen an die Rostocker Straßenbahn, wo sie nach der Umspurung auf 1440mm Spurweite und Umbau des Beiwagens zum Triebwagen ab 1949 im Einsatz waren und ein Jahr vor der Ausmusterung 1956 mit den Nr. 22 (davor Tw 48) und 23 (davor Tw 49) in Rostock verkehrten.

Über den Verbleib der anderen Vierachser gibt es Auskunft auf Seite 87 in dem Buch "Flensburger Kreisbahnen" von Heinz-H. Schöning und Dirk W. Kupfer, erschienen 2004 im Verlag Kenning, Nordhorn, ISBN 3-933613-70-1. Dieses Buch ist ein überwältigender Fundus für Anhänger der Schmalspurbahn mit Dampf-, Benzol- und Elektrofahrzeugen und zeigt auf, warum diese innovativ geführte Flensburger Kreisbahn maßgeblich das spätere preußische Kleinbahngesetz beeinflusste.

Die Meterspurbahn wurde betrieben von 1885 bis 1953. So wurde Satrup ein Ort der Begegnung zwischen der Flensburger Meterspur und der Schleswiger Normalspur. Beide Bahnhöfe lagen gegenüber. In Sörup wurde die Hauptbahn Flensburg - Kiel von der Flensburger Kreisbahn mit Brücke gekreuzt. In Kappeln

trafen sich gleich drei Bahnen. Bitte weiter lesen mit Pos. 5.


                                         Pos.  5

                 Kappeln


In Kappeln gab es den Anschluss an die Eckernförder- (Meterspur) und Schleswiger Kreisbahn (Normalspur). Ein Artikel von Herrn Heinz-H. Schöning über das Kreisbahntreffen in Kappeln im Eisenbahn Magazin Nr. 2, Februar 1992 ab Seite 96 bis Seite 101 gab Anregung für Herrn Neithard Lehmann, eine H0/H0m-Anlage zu bauen. Herr Lehmann hat dem Link auf seine Homepage zugestimmt. Danke. Viel Freude beim Besuch. Bitte anklicken:            grausundbahn.jimdo.com/    Dieses einzigartige Ergebnis seiner modellbahnerischen Kunst wird getragen von einem feinen Gespür für die norddeutsche Architektur. Ohne Mühe schafft Herr Lehmann mit der Auswahl seiner repräsentativen Bauten den Bogen von der Schlei über die Schwennau bis zur Wümme. Veröffentlicht über drei Folgen in der Broschüre "Schmale Spuren", zuletzt in Heft Nr. 2/2015, wo auch die Gesamtanlage vom Redakteur - Herrn Fackeldey - als Grafik erschien.        www.schmale-spuren.com

                                  

                                            Pos. 6
  150 Jahre Straßenbahn in Deutschland: 

              

Am 05. Sept. 2015 erhielt ich die HSM-Nachrichten Nr. 111 02/15 vom August 2015. Diesmal mit nur einem Thema über 35 Seiten "150 Jahre Straßenbahn in Deutschland". Danach startete am 22. Juni 1865 in Berlin auf  8 km Strecke die erste Straßenbahn als Pferdebahn Deutschlands.  

10 Jahre vorher -ab 1855- gab es in Flensburg schon die erste Pferdehafenbahn, als Folge der 1854 eröffneten Dampfeisenbahn - Verbindung von Flensburg nach Tönning, wie uns das Flensburger-Straßenbahn-Buch wissen lässt. Also begann doch in Flensburg 10 Jahre vor Berlin die Geschichte der Straßenbahn in Deutschland. Leider nein. 

Flensburg gehörte zu der Zeit zum Herzogtum Schleswig und stand damit unter der Herrschaft Dänemarks. Erst ab 1864 wurde Flensburg preußisch/deutsch.

Ich zitiere den Mitautor Karl Wilhelm Lönneker ab Seite 10 des o. a. Buches: "...von Pferden gezogene Spurwagen auf festen Gleisstrecken für den Überland-Gütertransport einzusetzen, wurde in Deutschland erstmals 1831 mit der "Prinz-Wilhelm-Pferdeeisenbahn" realisiert, durch welche die Orte Steele und Vohwinkel in Westfalen verbunden wurden". Weiter gekürzt: "Ein Jahr später gab es dann über 127 km zwischen Linz und Budweis eine erste öffentliche Pferdebahn und ab 1832 die erste innerstädtische Pferdebahn in New York."

Fazit: Weit vor Flensburg und Berlin gab es demnach 1832 schon die erste Pferdebahn auf deutschem Boden. Das liest sich gut. Vermutlich diente diese Bahn nicht dem öffentlichen Verkehr und war somit auch keine Straßenbahn im Sinne der zitierten HSM-Nachrichten Nr. 111.


Fortsetzung folgt.

                                                  Archiv:

Neu ab 2017: Seite 12

 

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